Weihnachtskrippe in St. Mauritius

Herzlich willkommen zu unserer digitalen Weihnachtskrippe in St. Mauritius, die traditionell gesellschaftlich relevante Themen aufgreift und sie kritisch behandelt.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserem ehrenamtlichen Krippenteam, Frau Karo Laimmer, Frau Susanne Strauss und Herrn Johannes Maria Strauss, das unsere Krippe mit Herzblut geplant hat und sie jede Woche aufwendig umbaut.

Vielen herzlichen Dank an Frau Dr. Bettina Seipp für die wöchentlichen Fotos!

Wir wünschen Ihnen viel Freude!

Fest der Darstellung des Herrn („Mariä Lichtmess“) (02.02.2022)

Zum Abschluss der „Krippensaison 2021/22“ kehren wir in die Kinderzeit
Jesu zurück zu einem Bild, das uns in den Tagen nach Weihnachten schon
einmal begegnet ist: Jesus wird 40 Tage nach seiner Geburt im Tempel
„dargestellt“, wie es für die männlichen Erstgeborenen vorgeschrieben
war.

Und so sehen wir ihn, „klein, auf seiner Mutter Armen“ vor unserem
Tempel vor dem Priester. Zu Seiten der Eltern die beiden Alten, Simeon
und Hannah, die in dem Kind ihr Lebensziel erfüllt sehen und es mit
Prophezeihungen bedenken.

In Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon.
Dieser Mann war gerecht und fromm
Und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
er werde den Tod nicht schauen,
ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
Und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte,
die über Jesus gesagt wurden.
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Siehe, dieser ist dazu bestimmt,
dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen
und viele aufgerichtet werden,
und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, –
und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
Damals lebte auch Hannah, eine Prophetin […]
Sie war schon hochbetagt […] eine Witwe von vierundachtzig Jahren.
Sie hielt sich ständig im Tempel auf
Und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott
und sprach über das Kind zu allen,
die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten,
was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit
Und Gottes Gnade ruhte auf ihm.
Lk 2,25-40 (Evangelium vom Fest der Darstellung des Herrn)

Welch gewaltige Szene, welch große Worte. Welchen Eindruck müssen
sie auf die jungen Eltern gemacht haben, welches Gefühlschaos in ihnen
ausgelöst haben. Doch hielten sie es wohl für besser, Jesus nichts davon
zu erzählen – und vielleicht haben sie es auch vergessen/verdrängt, dass
dann zwölf Jahre später bei der Wallfahrt nach Jerusalem Jesu Worte
nach dem Wiederfinden im Tempel „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem
sein muss, was meinem Vater gehört?“ sie so erschüttern. Machen wir
ihnen keinen Vorwurf darüber – wer weiß, wie wir mit diesen Aussagen
umgingen!?

Unsere Könige sind wieder in ihrem Land angelangt …
Kennen Sie den Spruch: „Lichtmess, ‚s Spinne[n] vergess[en], ohne Licht
zu Nacht [ge]gess[en].“?

40 Tage nach Weihnachten, an Mariä Lichtmess, sind die Tage sind die
Tage wieder so lang geworden, dass das Abendessen noch bei Tageslicht
verzehrt werden kann. Rechnen Sie einmal zurück: etwa 40 Tage vor
Weihnachten liegt Sankt Martin, dessen Fest auch durch das Licht
geprägt ist …

Am 4. Februar wird unsere Krippe wieder abgebaut. Wir hoffen, dass Ihnen unsere
Arbeit gefallen hat. Möchten Sie vielleicht bei der nächsten Saison mithelfen? Dann
sprechen Sie uns an oder geben eine Notiz im Pfarrbüro ab.

Ihr Krippenteam 2021/22
Karolin Laimmer, Susanne und Johannes Maria Strauss

3. Sonntag im Jahreskreis – Jesu erstes Auftreten in der Synagoge zu Nazareth (23.01.2022)

„Den Völkern soll zum Zeichen sein: der Stern, das Wasser und der Wein.“ So haben wir in den letzten Wochen gesungen. Gott leitet uns mit seinem Stern zur Krippe hin, bei der Taufe Jesu öffnet er den Himmel und dann wird aus dem auf Jesu Geheiß eingefüllten Wasser kostbarer Wein.

Heute nun sehen wir Jesus, der in vielen Städten und Dörfern schon gepredigt hat, bei seiner ersten Rückkehr nach Nazareth. Er geht am Sabbat in die Synagoge, darf aus der Buchrolle vorlesen – und trifft (zufällig?) auf eine Passage aus dem Propheten Jesaja:

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt,

damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe;

damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde

und den Blinden das Augenlicht;

damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze

und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Lk 4,18.19 (Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis)

Eine Lesung wie an jedem Sabbat – und dann wird eine Predigt darüber erwartet:

Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

Lk 4,20c (Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis)

Was erwarten sie? Eine historische Darstellung der Zeitumstände bei Jesaja, eine impulsgebende Katechese, eine sozialkritische Auslegung?

Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Lk 4,21b (Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis)

Anmaßung, gar Blasphemie – mögen wohl einige gedacht haben. Oder: Zimmermannssohn, bleib bei deinen Brettern. Dabei könnte es auch für uns nicht mehr und nicht weniger als unser Lebensmotto sein: den Geist des Herrn über sich zu spüren (so nah, dass die Anrede „Abba – Vater“ mehr ist als nur fromme Rede) und seine Sendung als Auftrag zu fühlen. Jesus wird es uns in der Bergpredigt als Seligpreisungen noch einmal mit auf den Lebensweg geben. Ist es schon unser Leitfaden – oder könnte er es noch werden.

Jesus, so werden wir am kommenden Sonntag im Evangelium hören (die Fortsetzung des heutigen Abschnitts), geht aufs Ganze und hält eine provozierende Ansprache. Er hält dem Volk Israel im Ganzen und den Nazoräern im Besonderen den Spiegel vor und zeigt ihnen ihr heuchlerisches Wesen im Hinblick auf die Erfüllung der göttlichen Gebote. Nicht zu ihrem Wohlgefallen …

Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus;

sie brachten ihn an den Abhang des Berges,

auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.

Er aber schritt mitten durch sie hindurch

und ging weg.

Lk 4,29.30 (Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis)

Im Vordergrund unterwegs sind immer noch unsere Könige auf ihrem „anderen Weg heim in ihr Land“. Und die Musik hat mal Pause …

Die Krippe hat mit den Gaben der Könige als Zeichen Jesu hat ihren Platz heute vor dem Haus auf der rechten Seite gefunden: Jesus wohnt nicht mehr zuhause, sondern in Kafarnaum.

Am kommenden Wochenende werden wir schon die Szene vom Fest der Darstellung des Herrn (2. Februar) zeigen, um diesem Geschehen mehr als zwei Tage zu gönnen. Denn am 4. Februar wird unsere Krippe dann wieder abgebaut.

Wir hoffen, dass Ihnen unsere Arbeit gefallen hat.

Möchten Sie vielleicht bei der nächsten Saison mithelfen? Dann sprechen Sie uns an oder geben eine Notiz im Pfarrbüro ab.

 

Ihr Krippenteam 2021/22

Karolin Laimmer, Susanne und Johannes Maria Strauss

2. Sonntag im Jahreskreis – Hochzeit zu Kana (16.01.2022)

Nach der Taufe des Herrn am vergangenen Sonntag heute das erste Wunder: die Wandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana.

Ein Schock muss es für das Brautpaar gewesen sein, als die Nachricht die Runde machte: der Wein ist alle! Sie hatten nicht genug Vorrat besorgt, sei es aus finanziellen Gründen oder aus planerischer Verschätzung – ganz gleich: eine Blamage! Und das am Beginn ihrer Ehe. Eine Peinlichkeit! Und das vor der versammelten Dorfgemeinschaft.

Und dann tritt Maria auf den Plan: wir wissen nicht, was sich im Leben Jesu an wundersamem vorher ereignet hat oder ob er einfach gut war im „organisieren“, ob er im familiären Umfeld schon mit „Wundern“ geglänzt hat und sie ihn hier vielleicht zu einem solchen provozieren will – jedenfalls spricht sie den simplen Satz

Sie haben keinen Wein mehr.

Joh 2,3c (Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

Es ist ein Musterbeispiel für das, was Herbert Paul Grice in seinem Standardwerk „meanings“ (dt. publiziert unter dem Titel „meinen-bedeuten-intendieren“) mit dem Beispielsatz „Es zieht.“ beschreibt: „Es zieht.“ – „Das Fenster ist auf.“ – „Mach das Fenster zu!“

Was bezweckt Maria mit ihrem Satz „Sie haben keinen Wein mehr.“? Ist es einfach die Mitteilung dieser Tatsache? Oder – je nach Tonfall – das Unverständnis darüber, wie sich das junge Paar diese Blöße geben konnte? Oder – wie es ein Witz darstellt: deine Jünger und du, ihr habt mal wieder zu viel getrunken? Oder ist es der mütterliche Stupser: „Mach‘ was!“? Doch dann kommt die erste Bloßstellung:

Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?

Joh 2,4b (Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

Nicht einmal „Mutter“, sondern nur „Frau“. Unpersönlich, distanziert, abweisend? Doch Maria ist voll Mutterinstinkt:

Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

Joh 2,5 (Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

Und Jesus handelt – den Dienern muss es verrückt vorgekommen sein:

Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, […]

jeder fasste ungefähr hundert Liter.

Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!

Und sie füllten sie bis zum Rand.

Joh 2,6ac.7 (Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

600 Liter Wasser – das sind 60 Zehn-Liter-Eimer! Von einer Wasserstelle herbeigeholt oder aus einem Ziehbrunnen heraufbefördert, dürfte das Unternehmen einige Zeit in Anspruch genommen haben – und sicher nicht unbemerkt geblieben sein. Und dennoch scheint der Kellermeister es nicht mitbekommen zu haben:

Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war.

Er wusste aber nicht, woher der Wein kam;

die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es.

Da ließ er den Bräutigam rufen

und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor

und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten.

Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

Joh 2,9.10 (Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

Da tut Jesus sein erstes Wunder – und schafft gleich eine neue Bloßstellung, diesmal für das Brautpaar: erst geht der Wein aus und dann ist die Nachlieferung besser und damit ist es auch nicht richtig. Anfängerfehler oder doch tiefere Bedeutung? Mache sich jeder seine Gedanken darüber. – In jedem Fall eine unerhörte Menge, die Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen in Würzburg in einer Predigt im dortigen Dom vor 25 Jahren in eine für uns „handlichere“ Größe umrechnete: 600 Liter Wein – das sind 2.400 [fränkische] Schoppen!

Eher eine Randerscheinung sind heute unsere Könige:

Weil ihnen aber im Traum geboten wurde,

nicht zu Herodes zurückzukehren,

zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Mt 2,12 (Evangelium vom Fest der Erscheinung des Herrn, 6. Januar)

Daher kamen sie von „rechts“ und nehmen heute den Heimweg über „links“.

Die Krippe hat mit den Gaben der Könige hat ihren Platz schon im „Tempel“ gefunden und weist auf die kommenden Sonntage hin: Jesu erstes Auftreten in der Synagoge und – wieder ein Sprung zurück in die Kindheit – seine Darstellung im Tempel.

Fest der Taufe des Herrn – Ende der Weihnachtszeit (09.01.2022)

Mit dem heutigen Fest machen wir den Sprung von der Kindheit Jesu zu seinem ersten Auftreten als Erwachsener.

In der Mitte vorne am „Fluss“ steht er in weißem Gewand, um sich von Johannes taufen zu lassen. Links von Johannes sehen wir weitere Taufbewerber, Menschen aus der bisherigen Menge: die Nonne, den business man, …  – fromme? unfromme? Jede und jeder ist eingeladen, seine Fehler einzusehen, einzugestehen und im Bad der Taufe oder in jedem Sich-(mit-Weihwasser-)Bekreuzigen um Vergebung zu bitten. Mit dieser demütig-bescheidenen Geste sehen wir nun zum ersten Mal Jesus als Erwachsenen.

Es geschah aber,

dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ.

… und der Himmel wurde geöffnet

und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Du bist mein geliebter Sohn,

an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Lk 3,21.22 [gekürzt] (Evangelium vom Fest der Taufe des Herrn)

Haben Sie die Figur erkannt? Es ist einer der bisherigen Hirten, der diese Rolle übernimmt – ein Hirte, wer könnte besser Jesu Rolle übernehmen?

Im Hintergrund haben wir die Kinderkrippenszene zu einer Art „Familienfoto mit Königen“ eingefroren. Ein nettes Detail, wie der König zur Rechten Marias dem kleinen Jesus seine Krone über den Kopf hält – nett, aber bedeutungsvoll.

Vielleicht möchten Sie einwenden, dass das „Foto“ auf der Kamera nicht ganz korrekt ist, zeigt es doch nicht das, was die Kamera sieht, sondern was der Betrachter der gesamten Szenerie erkennt, also auch die Kamera. Machen Sie nun ein Foto ist die ganze Aufnahme gewissermaßen dreimal zu sehen, eine Reproduktion davon zeigte sie viermal usw. Es sei dies aber ein Symbol für das Immerweiterreichen der Geschichte mit immer neuen Bildern und Erzählungen durch die Jahrhunderte hindurch:

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt

und wir haben seinen Herrlichkeit gesehen.

Joh 1,14 (Evangelium vom Weihnachten, Messe „am Tag“)

Herr, wir vertrauen auf dein Wort; es wirkt durch alle Zeiten fort.

(GL 222 „Herr, send herab uns deinen Sohn“, 9. Strophe)

Rundherum stehen, passend zur heutigen Aktion, drei Grüppchen von Sternsingenden. Sie kommen zu den Menschen in den Häusern, aber auch zu den Hirten auf dem Feld, um zu zeigen, dass auch den einfachsten Hütten der Segen gilt:

20 * C+ M+ B+ 22

Christus  mansionem benedicat.

Christus möge dieses Haus segnen.

Die kleineren Kinder unserer Krippenszenerie in schöne Gewänder gehüllt (manchmal etwas zurechtgerafft), die größeren als Sternträger und Gruppenleiter dabei, singen sie ihren Spruch, so wie es heute unsere Sternsingenden an den verschiedenen Plätzen unserer Stadt tun:

Wir grüßen dies Haus und wünschen euch allen

von Herzen das göttliche Wohlgefallen.

Gott möge euch allen Gesundheit verleihen,

dem Vieh und den Saaten ein gutes Gedeihen.

Christus möge im Hause wohnen,

für jede Wohltat euch reichlich belohnen.

Die Liebe sei mächtig, der Herr soll euch führen.

Das schreiben wir heut auf die Schwellen der Türen.

Für Ihre Gabe herzlichen Dank!

Fest der Erscheinung des Herrn („Dreikönig“, 06.01.2022) 

Erste Betrachtung

Haben Sie die Szene vom vergangenen Wochenende noch im Kopf? Die Hirten kommen zum Stall, sehen das Kind, preisen – und künden allen die Frohe Botschaft. Einige hören zu, andere erreicht sie nicht. Und heute? Da kommen drei prächtig gekleidete Männer mit Gefolge – und alle schauen hin … selbst der business man hat sein Handy vom Ohr genommen. Und dabei ist ihre „Botschaft“ zunächst nur die, dass sie sich auf den weiten Weg gemacht haben.

Lassen auch wir uns nicht von zu viel Glamour blenden?

Und laufen lieber der Pracht nach, anstatt auf die leise Stimme der Unscheinbaren zu hören?

Zweite Betrachtung

„Sterndeuter aus dem Osten“ nennt sie Matthäus in seinem Evangelium. Das war ungenau genug, um sie in 2000 Jahren menschlicher Phantasie zu Magiern, Gesandten von Königen, Königen selbst werden zu lassen, wozu wohl allein die Vorstellung prachtvoller orientalischer Gewänder genügte.

Auf wen schauen wir:

den Stern oder den Star, die Botschaft oder den Botschafter?

Blicken wir hinter der Hülle aufs Herz?

Fest der Gottesmutter Maria – Oktavtag von Weihnachten (01.01.2022)

Nach den historischen Sprüngen, die uns die diesjährige Leseordnung beschert – zum Besuch des 12jährigen Jesus im Tempel am 2. Weihnachtstag (in diesem Jahr „Fest der Heiligen Familie“) und den Begegnungen mit Simeon und Hannah bei der Darstellung im Tempel (die wir am 2. Februar, dem „Fest der Darstellung des Herrn“, wieder hören werden) – schließen wir heute wieder an die Erzählungen der Heiligen Nacht an: den Besuch der Hirten an der Krippe.

Sie lassen ihre Herden zurück, folgen der Botschaft der Engel, huldigen dem Neugeborenen. Aber – sie bleiben nicht dort, sie kehren zurück. Nicht nur zu den schutzbedürftigen Schafen, nein, sie künden allen Menschen, was sie gehört und gesehen … und geglaubt haben.

Unterschiedlich nehmen die Menschen ihre Botschaft auf: hinwenden und abwenden – zuhören und weghören – frohe Gesichter und mürrische Mienen … alles ist vertreten. Und darf auch für uns, denen es heute aufgetragen ist, die Frohe Botschaft von der Menschwerdung Gottes zu verkünden, kein Unterscheidungsmaß sein oder zu Motivationsschwankungen berechtigen:

ALLEN gilt die Kunde!

Den nur jeder selbst kann – so wie wir – entscheiden, wie viel Raum in seinem Herzen dafür frei ist …

… wer von uns hätte den Weisen und Königen aus dem Morgenland die Botschaft gebracht?

… wer hätte geglaubt, bei ihnen, die sie aus fremder Kultur und Religion stammten, den fruchtbaren Boden für die Frohe Kunde zu finden?

Aber der Stern leuchtete auch ihnen – und sie kamen:

sie sahen, hörten, glaubten …

Fest der Heiligen Familie – erste Weihnachtswoche 2021

Da ist Weihnachten erst einen Tag alt und schon ist alles anders … sind wir gewohnt, am 26.12. vom Martyrium des heiligen Stephanus zu hören, so kommt uns in diesem Jahr in der Liturgischen Ordnung der „Sonntag nach Weihnachten“ dazwischen, an dem wir das Fest der Heiligen Familie begehen. Und auch da ist vieles anders, als wir es vielleicht erwarten: Keine Idylle mit frommem Jesuskind, das ohne Widerworte seinen Eltern gehorcht, brav spielt und in Haushalt und Werkstatt hilft – stattdessen ein Sprung in Jesu zwölftes Lebensjahr und die Wallfahrt nach Jerusalem: Der Knabe seilt sich von der Reisegruppe ab und bleibt im Tempel, diskutiert mit den Gelehrten – und entgegnet den ihn mit Sorgen suchenden Eltern

Warum habt ihr mich gesucht?

Wusstet ihr nicht,

dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?

Lk 2,49 bcd (Evangelium vom Fest der Heiligen Familie)

Wie fühlt man sich als Eltern, wenn man so vorgeführt wird? Wäre es nicht der Tempel des Herrn, könnte man sich Josef vorstellen, der seinem Sohn etwa ein „Ich werd‘ dir zeigen, was deinem Vater gehört!“ entgegenhält und das eventuell noch unterstreicht … Aber auch der heilige Raum wird Jesu Eltern das mulmige Gefühl nicht abgenommen haben, dass mit ihrem Sohn hier etwas anders ist, als sie es erwartet hatten.

Auf der anderen Seite ist der „Stall von Bethlehem“ nicht verwaist – im Gegenteil, er ist neu belegt: eine andere Familie mit einem Neugeborenen hat dort Herberge gefunden. Es bedarf keiner römischen Volkszählung, dass Menschen vertrieben, obdachlos, heimatlos werden und auf der Flucht mit der geringsten Behausung als Quartier zufrieden sind – bis heute! Und auch von diesem Kind geht das Licht aus, wie das Lächeln jedes Kindes unsere Herzen berührt:

Glanz strahlt von der Krippe aus, neues Licht entspringt der Nacht.

Nun obsiegt kein Dunkel mehr, und der Glaube trägt das Licht.

Ambrosius von Mailand (GL 227,4)

Auf der linken Fläche der Krippe haben sich Familien versammelt, Familien, so bunt, wie sie heute zu unserer Gesellschaft dazugehören: mit gemischten Hautfarben, gleichgeschlechtlichen Elternteilen oder auch alleinerziehend, mit eigenen oder adoptierten Kindern – das einzige, was zählt, ist das gemeinsame Leben als Familie, getragen von gegenseitiger Achtung und Liebe zueinander.

Auf der rechten Seite haben sich die Hirten auf den Weg zum „Stall“ gemacht, dem Swinging-Christmas-Zug folgend. Am 1. Januar, dem Fest der Gottesmutter Maria, werden wir wieder von ihrem Besuch an der Krippe hören. Und fern auf dem Beichtstuhl tauchen die Weisen aus dem Morgenland auf – noch weit weg, aber die haben ja noch fast zwei Wochen Zeit…

In den Tagen der ersten Weihnachtswoche könnte sich die Szenerie noch etwas wandeln: der Tross der Hirten rückt näher zur Krippe, im „Tempel“ wechselt die Zeit wieder in die des neugeborenen Jesus, tauchen Simeon und Hannah auf, die Familie im „Stall“ ist schon wieder weiter geflohen, Familienkonstellationen haben sich neu gemischt…

Nachdem Josef die von den römischen Besatzern auferlegte Pflicht der Eintragung in die Steuerliste erledigt hatte, wird er wohl recht bald den Rückweg angetreten haben: 150 Kilometer sind es etwa von einer Stadt zur anderen, zu Fuß etwa fünf Tagesreisen – für eine Hochschwangere schon ein Gewaltmarsch und mit einem frisch geborenen Säugling nicht minder anstrengend. Und für Josef zwei Wochen ohne Arbeit… Es waren harte, unruhige Zeiten, von idyllischen Stimmungen weit entfernt, die wir doch beim Betrachten unserer Weihnachtskrippen so suchen.

Schon die Mystiker des Mittelalters hielten den Menschen in Altären und Fastenkrippen den Kreuzweg Jesu vor Augen um ihnen zu zeigen, wie klein ihr Leid gegenüber dem Jesu ist. Vielleicht hilft uns die diesjährige „Unruhe“ unserer Krippe, zu begreifen, wie „idyllisch“ vieles in unserem Leben ist – wenn wir es nur bemerken und annehmen…

Weihnachten 2021

Da steht er, Johannes der Täufer, vor dem Haus am linken Rand unserer Krippe, die Wasserwaage abgelegt, mit der abmaß, ob die Wege des Herrn, wozu er aufrief, eben sind, und weist zur Krippe hin:

Es kommt aber einer, der stärker ist, als ich, […]

Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Lk 3,16 bcd (Evangelium vom 3. Adventssonntag)

Und die Scharen der Völker folgen seinem Weisen, auch geführt von dem Licht, das von dem neugeborenen Kind ausgeht, den Fluss durchstrahlt. Der Schlagbaum liegt neben der Brücke, der Strom ist keine Grenze mehr.

Auch auf der bisher so „dunklen“ Seite der Krippe, wo sich die Hirten, die einst von der Gemeinschaft abgesonderten, finden, blühen nun Blumen, wird die Steppe langsam zum grünen Land. Auch bei diesen Menschen kommt der Swinging Christmas Move vorbei, bringt ihnen die Botschaft, wie einst der Engel:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;

er ist Christus, der Herr.

Und das soll euch als Zeichen dienen:

Ihr werdet ein Kind finden,

das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Lk 2,11.12 (Evangelium vom „Messe in der Nacht“)

Auf dem Weg dahin passieren sie den Chor, der auch zur „dunklen“ Seite gekommen ist:

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer,

das Gott lobte und sprach:

Ehre sei Gott in der Höhe

und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.

Lk 2,13.14. (Evangelium vom „Messe in der Nacht“)

Und in der Mitte bei der Krippe, da treffen sich alle, zuerst die neugierigen Kinder. Maria hat sich gesetzt. Erschöpft und glücklich schaut sie ihr Kind an. Elisabeth ist auch herbeigeeilt, um ihr beizustehen. Die Schützen stehen Wache, ein Sängerknabe hat sich als Verkündigungsengel in ein Fensterloch gesetzt.

Geradezu trotzig prangt das „Wir schaffen das“ an der Mauer. Sehr wahrscheinlich haben sich Maria und Josef von diesem Motto leiten lassen, voller Gottvertrauen: das unerwartete Kind, die belegten Herbergen, der ärmliche Stall, … Der Momente, in denen sie hätten aufgeben können, waren es viele. Aber die Büdericher haben auch ihr „Herzlich Willkommen“ gehisst, eine Einladung an die jungen Eltern und den neuen Erdenbürger.

Nun ist heile Welt, „Freud und Fried“, „selige Nacht“, „tröstliche Zeit“ … wie lange wird das andauern?

Wie lange wird das Entzücken über das Kind, die Begeisterung über die frohmachende Botschaft anhalten?

Jahr für Jahr haben in den Kriegen an den Weihnachtstagen die Waffen geschwiegen, haben Feinde miteinander gemeinsam gefeiert – um nach den Feiertagen sich wieder kämpfend gegenüberzustehen. Wie lange hält der Familienfrieden unterm Weihnachtsbaum: bis zur Bescherung, bis zum Nachtisch oder doch nur bis zum Begrüßungskuss – Judas?

Und bist du zu klein für die niedliche Krippe,

dann legen wir dich aufs Kreuz.

Unbekannter Autor, zitiert nach Josef Nüttgens

Die Herausforderung ist groß. Frieden machen ist nicht leicht, Frieden halten aber noch schwerer  – geben wir nicht auf, diese Botschaft zu leben – und zu verkünden. Sie ist es auch nach über 2000 Jahren immer noch und immer wieder wert!

Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja,

Gottes Sohn kam in die Welt, Halleluja.

Ruft die Botschaft froh hinaus, Halleluja,

traget sie in jedes Haus, Halleluja:

Uns zum Heil geboren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

Leitmeritz 1844

4. Adventssonntag

Man verlässt die Heimat und den Gott der Väter – und er ruft alle in seinem grenzenlosen Erbarmen heim und freut sich über ihre (reumütige) Rückkehr. Dies könnte die Kurzfassung der alttestamentlichen Lesungen und Antwortpsalmen des Advents im laufenden Lesejahr (C) sein. Und Johannes ruft auf, die Wege zu bereiten – in den Liedern „Mit Ernst, o Menschenkinder“ (GL 730) und „Seht, neuer Morgen in unsrer Nacht“ wird dieses Wege bereiten jeweils so umgedeutet, dass wir dem kommenden Messias, dem „Immanuel – Gott mit uns“ den Weg bereiten sollen – physisch („Ebnet ihm die Straßen!“) und psychisch („Euer Herz zum Tempel zubereit’t“).

Und hat uns die Geburt Jesu diesen Heimatfrieden gebracht?

Im kleinen Heim vielleicht – aber in der Welt? Da stehen sich auch in den letzten 2000 Jahren Religionen feindlich gegenüber. Und sind es nicht die Religionen, dann die Konfessionen. Oder die Nationen. Oder die Volksstämme. Die Progressiven gegen die Konservativen, die Reichen gegen die Armen, die Freunde des Regenbogens gegen die Grauen oder Braunen usw. Eine wohl endlos fortsetzbare Liste.

Darum ist der „Fluss“ in unserer Büdericher Krippe auch am vierten Advent eine Grenze. Hat er am vergangenen Wochenende mit Corona noch daran erinnert, wie wir seit 20 Monaten hin- und hergerissen sind zwischen Lockdown und Lockerungen, aufbrechen und wieder schließen, Kontakte suchen und vermeiden, Ver- und Misstrauen, Angst und Mut (oder Wut?), so zeigt er heute das selbstgemachte Leid: eine neue Brücke ist da – anstelle des alten Steges: groß und stabil, einladend schön. Und wir verbarrikadieren sie mit Schlagbäumen. Die Friedensvision des vereinten Europa erstarrt in Brexit, eventuellem Grexit, zerbricht an ideologischen Divergenzen, wirtschaftlicher Schieflage und behördlicher Überfrachtung.

Und so baut diesmal nicht der Krieg, sondern der Frieden die Grenzen auf: Maria möchte zu Elisabeth – und bleibt bei uns am Zoll stehen. Die Wege sind bereitet, doch der Herr wird zu Umwegen gezwungen. Gott lädt ein, doch wir finden nicht zu ihm.

Doch ist letzteres nicht auch den vielen falschen Propheten um uns herum geschuldet? Und damit seien gar nicht die oft unserem Gott gleichen Worte der anderen religiösen Götter gemeint – die rufen in der Grundbotschaft alle zum Frieden. Es ist die Blendung der Welt, die uns den Blick auf das kleine Licht versperrt, das in Bethlehem in einer Woche aufleuchten soll und das in Gestalt des „Friedenslichts von Bethlehem“ schon in unserer Krippe steht. Wie sehr wurde uns im ersten Lockdown bewusst, was wir gar nicht unbedingt zum Leben brauchen? Um wie viel näher waren Klimaziele durch Einschränkungen im Reiseverkehr u. a. gerückt? Doch die jüngsten Statistiken zeigen, dass wir diese – unfreiwillige – Chance wohl wieder vertan haben. Es war eben eine ungewollte Chance.

Im Antwortpsalm heißt es:

Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.

Ps 80, 19b (Antwortpsalm vom 4. Adventssonntag)

Es ist der Ruf der Not, Gott möge sich des ungetreu gewordenen Volkes annehmen. Des toten Volkes, das den Lebensatem verloren hat und Erholung, lat. „recreatio“ braucht. Erholung? Heimholung? Wieder in die Heimat führen, Heil erfahren?

An Weihnachten werden wir die richtige Reihenfolge hören:

Ehre sei Gott in der Höhe

und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.

Lk 2,14 (Evangelium „Messe in der Nacht“ am Heiligen Abend)

Erst das (bedingungslose) Gotteslob aller wird zum Frieden auf Erden führen.

Dritter Adventssonntag

Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit!
Noch einmal sage ich euch: Freut euch!
Der Herr ist nahe.
Phil 4,4.5b (2. Lesung des 3. Adventssonntags)

Ob man dieses gedoppelte „Freut euch!“, das der Apostel Paulus der
Gemeinde in Philippi schreibt nun als Befehlston interpretieren
möchte oder als übersprudelnde Gewissheit mag dahingestellt sein.
Es basiert jedenfalls auf der Gewissheit „Der Herr ist nahe.“ Das
lateinische Anfangswort dieses Abschnitts, der auch der
Eröffnungsvers der Messe am 3. Adventssonntag ist, hat diesem den
Namen gegeben: „GAUDETE!“ Es ist das Bergfest der Adventszeit:
an diesem Sonntag ist sie schon zu mehr als der Hälfte vorbei –
Weihnachten rückt immer näher. Farblich drückt sich liturgisch darin
aus, dass das bußzeitliche Violett zum Rosa aufgehellt wird (außer
am Sonntag „Gaudete“ im Advent taucht diese liturgische Farbe nur
noch am entsprechenden Bergfest-Sonntag in der österlichen
Bußzeit auf, dem 4. Fastensonntag „Lætare“).

Johannes steht am Jordan und tauft „die zur Bekehrung sind bereit“.
Doch damals wie heute gibt es Menschen, die von dem kommenden
Heil, das Johannes verkündet, nichts wissen wollen, die der Frohen
Botschaft den Rücken zuwenden.

So entstehen Spannung, Spaltung, Zwietracht – heute ist es das im
Fluss schwimmende Corona-Virus, das zu solcher Trennung führt:
und so zeigt sich unsere Büdericher Krippe in diesem Jahr auch in der
dritten Woche als Schwarz-Weiß-Malerei – oder an diesem Sonntag
eben Violett-Rosa. Wird auf der einen Seite einladend musiziert,
gefeiert und dekoriert, zeigt sich die Gegenseite als trostloser
Demonstrationsschilderwald, schaffen Zäune Abgrenzungen. Dabei
ruft uns Gott doch im Buch Zefanja zu:

Juble, Tochter Zion!
Jauchze, Israel!
Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
Zef 3,14 (1. Lesung des 3. Adventssonntags, vgl. GL 228)

Und der Prophet Jesaja schreibt:

Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.
Jes 12,3 (Antwortpsalm des 3. Adventssonntags – auch Vers zur Taufwasserweihe in der Osternacht)

Damit das Wasser aber wieder „Wasser des Heiles“ wird, müssen wir
alle gemeinsam dafür sorgen, dass das es verseuchende Virus wieder
verschwindet oder zumindest beherrschbar zurückgedrängt wird.
Dabei kann Gegengewalt nicht der wahre Weg sein. Bei aller
gebotenen Vorsicht und bei aller Intoleranz gegenüber den
querdenkerischen Parolen müssen wir offen zeigen, dass wir allen,
die „zur Bekehrung“ (d. h. in diesem Falle auch „zur Impfung“) bereit
sind, die offenen Arme entgegenstrecken. Johannes der Täufer gibt
dazu Ratschläge, die sehr an die späteren Worte Jesu erinnern:

Wer zwei Gewänder hat,
der gebe eines davon dem, der keines hat,
und wer zu essen hat, der handle ebenso!
Lk 3,11 (Evangelium vom 2. Adventssonntag)

Er spricht aber auch mahnend:
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, […] Schon hält er die Schaufel in der Hand,
um seine Tenne zu reinigen
und den Weizen in seine Scheune zu versammeln;
die Spreu aber
wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Lk 3,16b.17 (Evangelium vom 2. Adventssonntag)

Es ist an uns, ob wir Korn oder Spreu sein wollen, Mitdenker oder
Querdenker…

Zweiter Adventssonntag

Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe!

Schau nach Osten und sieh deine Kinder […]

Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat.

Bar 5,5 (1. Lesung des 2. Adventssonntags)

Wen sehen wir im Osten? Noch immer „den Iwan“, den alten Kriegsfeind oder mittlerweile den neuen Wirtschaftsfeind? Die chinesische Größe und ideologische Macht? Oder den Nahen Osten als Keimzelle allen Terrors?

Nehmen wir wahr, dass unter der Ebene der Herrscher ganz normale Menschen sind, deren hauptsächlicher Lebenswunsch es ist, in Frieden mit ihren Familien zu leben und einer geregelten Arbeit nachzugehen?

Können wir uns ausmalen, was es heißt, so an der eigenen Regierung zu verzweifeln, dass man bereit ist, seine Heimat aufzugeben für eine ungewisse Zukunft? Heimat: die Wurzeln der Familie, das eigene Haus und Land, die Sprache und Kultur?

Wer von uns hat es noch bewusst erlebt, wie eigene Landsleute vor 76 Jahren eine solche Flucht angetreten haben? Bei Temperaturen, die noch deutlich unter den aktuellen lagen, auf Straßen und Wegen, bei denen man nicht wusste, welche Brücken noch intakt sind, gehetzt, getrieben von der Angst, von der Roten Armee überrollt zu werden. Und wer von uns hat es noch erlebt, wie diese Familien mit den fremdklingenden Namensendungen zwangseinquartiert wurden oder nur in Baracken Unterschlupf fanden? Wie lange mussten sie in manchen Orten leben, bis sie nicht mehr ‚die Fremden‘, ‚die Zugezogenen‘ waren, sondern Teil der kommunalen Gemeinschaft? Wie erging es eine Generation später den Gastarbeitern, als sie nicht mehr ‚Gast‘ blieben, sondern Mitbürger wurden und ihre Familien nachholten?

Vor vierzig Jahren waren es Menschen aus Kambodscha, vor sechs Jahren waren es Menschen aus Syrien, im zu Ende gehenden Jahr Menschen aus Afghanistan – immer sind es MENSCHEN, die bei uns Schutz und Hilfe suchen:

Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden;

Gott aber bringt sie heim zu dir,

ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte.

Bar 5,6 (1. Lesung des 2. Adventssonntags)

Das letzte Flugzeug, der gefährliche Weg durch Wüsten und über Meere – alles andere als eine „königliche Sänfte“. Glauben wir diesen Menschen wenigstens, dass ihr erster Antrieb der ist, frei leben zu dürfen! Und gestatten wir ihnen, auch ihre kulturelle Identität als Teil ihres eigenen Ichs mitzubringen – vergessen wir nicht, dass auch unsere deutschen Auswanderer, die im 19. Jahrhundert nach Amerika gingen, noch heute ihre deutschen Rezepte kochen und ihren Kinder deutsche Vornamen geben – Reste von „Heimat“ …

Und wenn es uns vor der fremden Kultur der Immigranten ängstigt, dann rechnen wir allein aus unserer Sprache einmal alles „Fremde“ hinaus, bei „Sofa“ und „Ziffer“ (aus dem Arabischen) angefangen. Wollten wir alles ausmerzen, was neue Mitbürger*innen aus ihren Lebensumfeldern in das unsrige und damit in unser Vokabular hereingebracht haben, dann stünden wir fast nackt und sprachlos da – und können uns fragen, warum sich der Ersatzvorschlag „Gesichtserker“ für unsere Nase nicht durchgesetzt hat …

Der Prophet Baruch ruft uns zu:

Denn Gott hat befohlen:

Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel

und heben sollen sich alle Täler zu ebenem Land,

sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann.

Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit;

Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Bar 5,7.9 (1. Lesung vom 2. Adventssonntag)

Wir sind aufgerufen, dieses Erbarmen zu üben, sinnbildlich den roten Teppich auszurollen: „Was ihr dem Geringsten Menschen tut, das habt ihr IHM getan. Denn ER nahm als unser Bruder jedes Menschen Züge an.“ Darum sehen wir auch Josef mit seiner schwangeren Frau Maria inmitten der Flüchtlinge.

Hören wir auch auf Johannes, den Rufer in der Wüste (vgl. GL 730 und H 75):

Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!

Jede Schlucht soll aufgefüllt

und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.

Was krumm ist, soll gerade,

was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.

Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

Lk 3,4cd.5.6 (Evangelium des 2. Adventssonntags)

Erster Adventssonntag

Es werden Zeichen sichtbar werden

an Sonne, Mond und Sternen

und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein

über das Toben und Donnern des Meeres.

Die Menschen werden vor Angst vergehen

in der Erwartung der Dinge,

die über den Erdkreis kommen,

denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Lk 21,25.26 (Evangelium des 1. Adventssonntags)

Hat Jesus den Klimawandel zweitausend Jahre nach seiner Zeit vorausgesehen: das Steigen des Meeresspiegels, die mittlerweile jährlichen „Jahrhundert“-Hochwasser,
-Unwetter, -Dürren?

Hatte er schon eine Ahnung, was im Juli 2021 über das Ahrtal [und andere Regionen] hereinbrechen sollte?

Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit

und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren

und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht

wie eine Falle; denn er wird

über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.

Lk 21,34.35 (Evangelium des 1. Adventssonntags)

Natürlich ist es mit „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“ nicht getan. Doch dürfen wir weder im Trott noch im Wegrauschen des Alltags die veränderten Realitäten übersehen, die unser Ausbrechen aus dem Gewohnten mehr und mehr fordern: wir müssen erkennen und akzeptieren, dass sich die anstürmenden Probleme nicht durch Wegsehen lösen lassen.

Gott will nicht zerstören, sondern Heil bringen. Er ruft zur Umkehr:

Wacht und betet allezeit, damit ihr allem,

was geschehen wird, entrinnen

und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Lk 21,36 (Evangelium des 1. Adventssonntags)

Aber Gebet bedeutet nicht Untätigkeit. „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt… Seine Frage wird lauten: Was hast du getan…?“ – Jesu Mahnen in seiner Zeit, sein Aufbrechen und Aufbegehren gegen alte, festgefahrene Gewohnheiten ist vergleichbar mit den jungen Mahner*innen von FRIDAYS FOR FUTURE heutzutage, die wir im Hintergrund sehen (mit Reproduktionen originaler Demonstrationsplakate). Sie stellen uns im Vordergrund vor die Wahl, auf welcher Seite des Flusses wir unser künftiges Heil sehen wollen: in Zerstörung nach einer Flutkatastrophe zur rechten oder in blühenden Landschaften auf der linken mit Blumen und Bienen sowie Solarpaneelen und Begrünung auf den Dächern. Leider ist die Hilfsbereitschaft für die Opfer zwar bei einzelnen groß (wie etwa bei dem Kind, das, obgleich wohl aus armen Verhältnissen, trotzdem einen ganzen Sack Spielsachen als Spende zur Brücke trägt), doch könnten es ihrer noch viele mehr sein…

In jenen Tagen und in jener Zeit werde ich für David

einen gerechten Spross aufsprießen lassen.

Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land.

Jer 33,15 (1. Lesung des 1. Adventssonntags)

Viele haben Jesu Handeln und Reden zu seinen Lebzeiten verkannt oder nicht verstanden. Es musste erst „eine neue Generation“ kommen, die auf seinem Leben eine neue Welt aufbauen wollte. Lassen wir seine immer noch aktuellen Mahnungen uns Impuls sein, neue Wege zu wagen.

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